Wofür braucht man Kinder?

Gedanken eines Erzeugers, der kein Vater mehr sein durfte.

Für Sina

1. Die Stille nach dem Sturm

Du bist auf die Welt gekommen, und ich dachte, das Leben beginnt neu. Du warst kein Projekt, kein Besitz – du warst einfach du. Und ich war da. So gut ich konnte. So oft ich durfte. Aber irgendwann wurdest du still. Nicht mit Worten – mit Abwesenheit.

Es kam kein Streit, kein Bruch mit großem Knall. Nur Abstand. Die Art von Distanz, die mehr sagt als jede Beschwerde: „Ich brauche dich nicht.“

2. Die ultimative Distanz

Man sagt, Kinder sind das Band, das Familien zusammenhält. Doch du hast das Band gelöst, hast dich entfernt in eine Welt, die mich nicht mehr sieht, die mich nicht mehr spürt – außer als entfernten Schatten, der nur noch das finanzielle Konto füttert.

3. Liebe oder Anspruch?

Früher glaubte ich an bedingungslose Liebe, an das Bündnis, das über Jahre wächst und trägt. Heute frage ich mich: Geht es um Liebe – oder um Anspruch? Bist du ein Mensch oder ein Forderungskatalog? Und wenn Liebe, warum bleibt sie dann so fern?

Ist Elternschaft dann vergebens?

4. Die Rolle, die bleibt, wenn keiner sie sieht

Ich bin dein Vater. Aber das ist ein Titel, den nur du bestätigen kannst. Ohne deine Anerkennung bin ich ein Statist in deinem Leben. Ein Name auf einem Stammbaum, vielleicht eine Nummer in deinem Handy, die nie klingelt.

5. Der Preis der Liebe

Ich wollte nie etwas kaufen. Nicht deine Zeit. Nicht dein Respekt. Schon gar nicht deine Liebe. Und doch stehe ich hier – wie jemand, der nicht weiß, ob seine Zuneigung irgendwann gegen Geld aufgerechnet wird.

Du brauchst mich nicht. Aber irgendwann, vielleicht, brauchst du, was mir gehört.

6. Der Sinn im Unsichtbaren

Ich schreibe das nicht, um zu klagen. Nicht einmal, um dich zu erreichen – ich bezweifle, dass du dies je liest.

Ich schreibe, um mir selbst zu sagen: Ich war da. Ich habe geliebt. Ich war Vater. Nicht perfekt. Aber ehrlich.

Vielleicht liegt darin der letzte Sinn: Nicht gebraucht zu werden, aber dennoch gegeben zu haben.

7. Für dich – für mich

Vielleicht bist du verloren, wie ich. Vielleicht verstehen wir uns nie – aber ich will dich nicht nur auf Geld reduzieren, nicht auf Distanz und Anspruch. Ich will hoffen. Ich will erinnern. Ich will Vater sein, nicht nur eine Kontonummer – auch wenn du es mir verweigerst.

Epilog

Wofür braucht man Kinder? Vielleicht nicht, um etwas zu bekommen. Sondern, weil das Geben selbst ein Teil des Menschseins ist. Auch wenn es wehtut. Auch wenn man niemanden mehr hat, der „Papa“ sagt.